Histörchen

Als am 15. September 1666  Prinzessin Sophie Dorothée im Celler Schloss das Licht der Welt erblickte, konnte keiner erahnen,  dass sie die Stamm-Mutter des englischen, hannoverschen und preussischen Königshauses werden würde.

 

Ihr Sohn sollte als Georg II. den englischen Königsthron besteigen und Ihre Tochter gleichen Namens heiratete den preussischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm und somit war sie seitens ihrer Tochter die Grossmutter Friedrich des Grossen und seitens ihres Sohnes die Urgrossmutter der dänischen Königin Caroline Mathilde.

 

Die Eltern, Herzog Georg Wilhelm und Gattin Eléonore d’ Olbreuse waren hocherfreut über die einzige Tochter, welche„lebhaft und von grossem Reiz“ zu sein schien. Die Herzogin Eléonore, eine hugenottische Adlige, Baronesse aus dem französischen Poitou,  verlieh derbarocken Residenzstadt Celle eine glanzvolle Hofhaltung.

 

Aufgrund der herzoglichen Schlosshaltung enstand an der Trift die vornehmste Wohngegend Celles, eine wunderschöne Gartenvorstadt mit adligen Palais’ derer von La Fontaine, des Hofmarschalls von Spessart, es Generalmajors Graf von Schwicheldt,   u.v.a.

 

Von der Trift abgehend in die Speicherstrasse, also am Ende des alten Hafens, entstand im Jahre 1685 (eventuell auch noch früher ) der „Schifferkrug“ der Krug der ehrsamen Zunft der Allerschiffer zu Celle - eine traditionelle und historische Herberge im Fachwerkstil.

 

Grundlage der wirtschaftlichen Blüte Celles ab dem Mittelalter war seine günstige Lage am Schnittpunkt einiger Fernhandelstrassen an der Aller, die erst ab Celle in Richtung Norden schiffbar war. Gemäss einer herzoglichen Verfügung vom 10. Mai 1454 besass die Stadt Celle ein Monopol für die Kornschifffahrt auf der Aller. Die Celler Kornschiffer- und Händler kauften im sächsisch-thüringischen Raum Getreide auf, brachten es auf Frachtwagen nach Celle in ihre Speicher und von hier aus auf dem Wasserwege nach Bremen bishoch nach Skandinavien.

 

Die Speicher standen an der Aller auf dem Gelände zwischen der heutigen Speicher- und Mühlenstrasse. Händler und Allerschiffer benötigten natürlich auch Quartier und Bewirtung. Beides wurde ihnen im Schifferkrug geboten. Nicht zu vergessen: der gute Branntwein von damals!

 

Aus dem Stadtarchiv ist bekannt, dass um 1711 die Witwe Möhren Krugwirtin war, die den Krug von ihren Eltern übernahm und mit Ausspann, Beherbergung und Branntweinausschank betrieb.

 

Hochinteressant ist auch die Korrespondenz um die Konzession des Schifferkrugs, welche bis dahin über 100 Jahre als Gewohnheitsrecht bestanden hatte. Im Juni 1794 erteilten die „Koeniglich-Grossbritannische zur Churfürstlich- Braunschweig-Lueneburgischen Regierung verordneten Geheime-Räthe“ dem seinerzeitigen Krugwirt Klopp schriftlich die Konzession, welche bis dato nur mündlich bestand.

 

Der Auszug aus dieser alten Konzession  und auch die Gedenktafel an die Allerschiffer in der Diele lassenden Gast noch heute die traditionsreiche Vergangenheit der „  früheren Herberge der Allerschiffer „ wittern, die zusammen mit der Speicherstrasse tatsächlich ein Teil der Celler Stadtgeschichte ist!

 

Spannende Histörchen haben sich im „Schifferkrug“ abgespielt, viele fröhliche und gesellige Menschen haben sich hier über Jahrhunderte zu einem gemütlichen Beisammensein getroffen und wir alle freuen uns, Sie in diesem romantischen und historischen Ambiente verwöhnen zu dürfen !

 

Ihre Karin Faas mit Familie und Team

 

Königliche Sommerfrische in Celle

Vom mittelalterlichen Auenthaltsort der reisend herrschenden Herzöge über die Zeit als ständige Residenz zwischen 1433 und 1705  wählten die hannoverschen Könige Celle zu einem ihrer sommerlichen Aufenthaltsorte und besuchten die Pferdewettrennen oder gingen von hier aus zur Jagd. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem letzten König von Hannover, Georg V. Der blinde Regent, der musizierte und komponierte, und sein Weg ins Exil 1866 beenden die Zeit Celles als Residenz.

 

Italienische und französische Nachbarschaft um 1696

Jeden Frühling und Sommer empfing der süße Duft des honiggelben Bienenwachses der nahegelegenen Wachsbleichen die einkehrenden Gäste des Schifferkrugs.

Unter dem letzten Herzog Georg Wilhelm etablierten sich viele Franzosen und Italiener als Hofleute, Handwerker und Gewerbetreibende in der Residenzstadt Celle und so ist anzunehmen, dass auf seine Anregung hin 1696 das hier noch unbekannte Gewerbe der Wachsbleicherei eingeführt wurde.

 

Kirchen und fürstliche Höfe benötigten eine Unzahl von Kerzen und so konnte sich der damals im Jahre 1696 aus Solto bei Bergamo eingewanderte 18 jährige Kerzenzieher Francesco Guizetti unschwer vorstellen, welche Früchte sein Gewerbe im Norden noch tragen würde.

Einer der grössten Speicher gegenüber dem Schifferkrug gehörte seinem Landsmann Francesco Maria Capellini, genannt Stechinelli, dem Generalpostmeister des Herzogs Georg Wilhelm, aber auch der  Kammerdiener Angelo Casarotti besaß eine Wachsbleiche.

Der geschäftstüchtige Francesco  nannte bald die Speicherstrasse 10-14 sein eigen.

 

Deutsch, Italienisch, Französisch – alle drei Sprachen finden wir in buntem Durcheinander um die Mitte des 18. Jahrhunderts rund um den Schifferkrug in der Speicherstrasse 9.

 

Die Trift – eine wunderschöne Gartenvorstadt mit adligen Palais’ - entwickelte sich zur vornehmsten Wohngegend Celles. Noch heute erinnert  die Bauart an französische Landhäuser zu dieser Zeit und auch daran, wie Georg Wilhelm sich die Bebauung seiner Prachtstrasse Trift vorgestellt hatte. Im gelben Eckhaus Trift 25 wohnte der französische Hoftapezierer Jacques La Fontaine mit seiner Familie – er war mit dem Schmücken und Dekorieren des Schlosses beauftragt und in Trift 19 und 20 logierte der Leibbarbier und Kammerdiener Daniel Collieu mit seiner Frau Marie le Roux, einer Kammerfrau der Herzogin Eléonore Desmier d’Olbreuse.

 

Durch die freundchaftlichen Bande mit Kammerdiener Casarotti lernte Guizetti die Französin Eleonora Sophia Guion (genannt La Perle) kennen und lieben.

 

Eleonoras Vater war „homme de chambre de la duchesse de Zell“ also der Kammerdiener der Eléonore d’Olbreuse – der Gemahlin des Herzogs.

Guizettis Schwiegermutter war eine Tochter des Hofgärtners Henry Perronet, welcher in Herzog Georg Wilhelms Auftrag den Französischen Garten für dessen schöne und geistvolle Gemahlin anlegte. Wie Francescos Wachsbleiche, so wuchs auch seine Familie: Sieben Söhne und fünf Töchter wurden ihm und seine Eleonora geschenkt.

 

Als im Jahre 1726 "Seine königliche Majestät von Großbritannien und Kurfürstliche Durchlauchtigkeit" durch ihr Hofmarschallamt mit Francesco Guizetti die Lieferung der für den Hof benötigten Wachslichte auf künftige Jahre abschließt, schien die Zukunkt gesichert.

 

Der Königliche Schlossorganist aus dem Schifferkrug und die „Weisse Rose  „

Für die damalige Zeit waren sie ein Traumpaar:

 

Heinrich Friedrich (der Jüngere) Enckhausen, geboren  am  28. August 1799  im  Schifferkrug liebte die Nachbarstochter Ludowika, Elisabeth, Juliana,   genannt  Louise G u i z e t t i.

 

Nach seinem Abschied bei den in Celle stationierten Gardekürassieren erhielt er in Berlin Unterricht in Klavierspiel und Tonsatz und wurde als Hornist am Hof-und Opernorchester Hannover 1827 eingestellt.

 

Louise/Luise/Lulu ist eine schöne Frau gewesen: Sie wurde in Celle die Weisse Rose genannt. Louise hatte dunkles Haar und blaue Augen und ihre Schwester Claudine, verheiratete Hostmann, war die Rote Rose.

 

Sie war die Tochter des benachbarten Kaufmanns und Besitzers der Wachsfabrik Franz Guizetti und seiner Frau Marie, geb. Behrens, die katholisch sind.

Der Familie war die Heirat mit einem Musikbeflissenen nicht ganz genehm, der unsicheren Zukunft und vielleicht auch der brotlosen Künste wegen und das Brautpaar musste um sein Glück kämpfen. Später war Heinrich aber der beste Schwager und mit Stolz rechnete man sich zu seiner Familie.

 

Original-Aussage aus Heinrichs „Grünem Büchlein“:

 

Der 19.Juni war für mich ein glücklicher Tag! Eine Partie nach dem Bache wurde verabredet und dort war es, wo wir uns gegenseitig Liebe und Treue gelobten. Habe Dank gütiger Gott, dass Du mir dieses Mädchen als Lebensgefährtin entgegen geführt hast. Gib, dass ich Sie bald ganz mein nennen kann und dass wir nie aufhören für einander zu leben. Am 16. Dezember 1826 entschlief zu einem besseren Leben der theure Vater meiner lieben Luise. Gott im Himmel, sieh freundlich auf mich herab, gib, dass ich so lebe wie er und führe Du Dein Kind auf dem Wege der Tugend. Lasse mich nie fallen, immer geduldig auharren. Allerbamer, gib mir Kraft, dass ich Luise so glücklich mache wie es die Gute verdient und bis zu meines Lebens Ende, gib mir ein Herz, das Luise treu liebt.

 

Louise und Heinrich heirateten am 3. Juli 1828 in der katholischen Pfarrkirche

St. Ludwig in Celle und trafen am selben Abend in Hannover ein.

Sie bekamen fünf Kinder: Heinrich, Marie, Louise, Friedrich und Malwine.

 

In Hannover stieg sein Erfolg stetig. Der Herzog von Cambridge zog ihn an den Hof. Er gab Konzerte bei Hof und den Prinzessinnen Klavierunterricht, besonders die nachherige Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz verehrte ihn sehr.

Unter dem König Ernst August I. von Hannover (geboren im Buckingham Palace 1771, König von Hannover, 1. Herzog von Cumberland und Teviotdale und Earl of Armagh) ging sein Ruhm noch weiter.

Bereits am 28. August 1829 (seinem 30.Geburtstag) wurde er zum Königlichen Schlossorganisten ernannt. Er bekam unter anderem die Aufgabe, die musikalischen Skizzen des Königs auszuarbeiten. Er schrieb das „Hannoversche Choralbuch“ sowie eine besonders für Anfänger geeignete Klavierschule (viel genutzt in Amerika!!!) und vieles mehr. Sein Orgelspiel wird noch heute von vielen hohen Persönlichkeiten der Musik sehr gelobt.

Heinrich konnte sogar sein 60-jähriges Dienstjubiläum begehen!

 

Heinrich lebte mit seiner Frau in einer überaus harmonischen Ehe. Als er 85-jährig an Lungenentzündung starb, legte sich Luise nach seiner Beerdigung ebenfalls hin und starb an „ gebrochenem Herzen“. Eine grosse Liebe!

 

Caroline Mathilde

Die dänische Königin Caroline Mathilde ließ noch einmal königlichen Glanz in die einstige Residenzstadt einziehen. Nach ihrer Scheidung von Christian VII. im Jahr 1772 hatte ihr Bruder Georg III. das Celler Schloss zu ihrem Aufenthaltsort bestimmt. Nach der Struensee – Affäre musste sie ihre beiden Kinder zurücklassen, als sie nach Celle verbannt wurde – jetzt lebte sie in dem Schloss, in dem hundert Jahre zuvor ihre Urgroßmutter , Prinzessin Sophie Dorothée, aufgewachsen war.

 

Sie starb vor ihrem 24. Geburtstag an einer nicht bekannten Krankheit . Andere sagten: an gebrochenem Herzen.

 

Der Konferenzrat v. Reventlow, Oberhofmeister der Königin Caroline Mathilde, bewohnte das Palais Trift 19-20 und der Freiherr v. Spörcken, (Geheimer Legationsrat) vormals Kammerjunker der Königin, besass das Palais Trift 24.

 

Der Trompeter des Prinzen von Wales Dragoner Regiment

und die schöne Krugwirtstochter der Witwe Möhren aus dem Schifferkrug waren Stadtgespräch.

 

Weit war er gekommen, der musikalische  Westerceller Johann Heinrich Christoph Enckhausen (geboren am 4. März 1741)  als „Trompeter bey Ihro Königlichen Hoheit dem Prinzen von Wales Dragoner Regimente“, als er auf Heimaturlaub auf seinem Hannoveraner Wallach ins heimatliche Celle zurückritt und am Ende des Hafens in die Krugwirtschaft der ehrsamen Zunft der Allerschiffer einkehrte. Es  herrschte regsames Treiben in der Speicherstrasse und es gelüstete ihn  nach einem Ahldener, Burgwedelschen oder Celleschen Bitterbier. Er kannte noch von früher die Krugwirtschaft der Witwe Ilse Mike Möhren, doch als er ihre hübsche Tochter Johanne Henrici wiedersah, war es um Trompeter des Prinzen von Wales  geschehen:

er verliebte sich prompt in die schöne Krugwirtstochter und quittierte seinen Dienst, um mit seiner grossen Liebe eine Familie zu gründen und als Gastwirt auf dem „Schifferkrug“ zu bleiben.  Mit 31 Jahren wurde er Vater eines Sohnes namens Johann Heinrich Friedrich  Enckhausen d. Ä. (geboren am 25. Oktober 1772) .

 

Das Ende der Celler Ratsmusik

Der Sohn Johann Heinrich Friedrich  Enckhausen d. Ä. aus dem Schifferkrug erbte des Vaters Musikalität  und war einige Jahre im Bremer Bataillon als Musikmeister tätig, doch sein Herz hing immer noch am schönen Celle und vor allem an der Gastwirtstochter Anna Catharina Seyfarth von der „Katerburg“ , die er am 11.11.1794 heiratete und als Celler Ratsmusikant eine begehrte Anstellung fand.

Enckhausen’s hatten fünf Kinder. Das erste Kind kam am 28. August 1799 im Schifferkrug zur Welt und wurde auf den Namen Heinrich Friedrich (der Jüngere) getauft.

Fröhlich und musikalisch mit Violine, Flöte, Klarinette, Cello und Klavier ging es fortan in der Speicherstraße 9 immer zu. Mutter Anna Catharina bewirtschaftete den Krug mit Beherbergung, Ausspann und Branntweinausschank.

Erste dunkle Wolken zogen auf: nach einiger Zeit forderte der Rat, dass der Stadtmusikus in der inneren Stadt zu wohnen habe und nicht im „Schifferkrug“ - es kam zum Zerwürfnis.

Da legte der letzte Stadtmusikus Celles buchstäblich mit Ablieferung von „Pauken und Trompeten“ sein Amt nieder, blieb im Schifferkrug und die Celler Ratsmusik war damit offiziell beendet!

 

 

 

 

 

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